Kleinspurdame

Kein Smartphone, kein Social Media, kein Internet. Alle Aspekte der digitalen Kommunikation ablehnend, hat sich die zwanzigjährige Wienerin FILY von der Gesellschaft und ihrer Familie entfremdet. Als älteste Tochter einer Politikerin, die sich gerade mitten im Wahlkampf um das Wiener Bürgermeister:innenamt befindet, hat Fily bereits als Kind die beängstigenden Schattenseiten von unfreiwilligem Ruhm schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Seit Jahren scheut Fily die Öffentlichkeit, hantelt sich von Job zu Job und lebt zurückgezogen in ihrer kleinen Wohnung, in einem zum Abriss freigegebenen Zinshaus.


Nachdem Filys Bemühungen, die Delogierung abzuwehren, scheitern, der Strom abgeschaltet und das Telefonkabel gekappt werden, entlädt sich ihre aufgestaute Wut über die Ungerechtigkeit der Welt in den Straßen Wiens. Mit Kreide schreibt sie empörte Parolen zu den Themen Teuerung, dem angespannten Wohnungsmarkt und soziale Ungleichheit an Hausfassaden, auf Gehsteige und Straßen. Manche ihrer urbanen Schriftstücke signiert sie mit ihrem alter Ego kleinspur.


Ohne Filys Zutun und Wissen geht ihr Schreibrausch in kürzester Zeit online viral. Erst als Passant:innen sie auf der Straße ansprechen, wird Fily mit der Tragweite des Social-Media-Accounts, @fily_kleinspur, konfrontiert. In ihrem Namen postet jemand Fotos ihrer Kreideparolen. Auch traditionelle Medien berichten über seine rasant anwachsende Gefolgschaft.


Nachdem Filys größte Angst eintritt und ein Foto von ihr veröffentlicht wird, taucht sie bei ihrer Großmutter unter, in die Abgeschiedenheit der österreichischen Provinz. Ihre dort erhoffte Sicherheit vor den neugierigen Augen der Öffentlichkeit währt nicht lange. Als der Account in Filys Namen stark polarisierende und zutiefst menschenverachtende Postings veröffentlicht, kehrt Fily zurück nach Wien, um sich diesem digitalen Ungeheuer zu stellen.


Es brodelt auf den Straßen Wiens. Der @fily_kleinspur Account nutzt die aufgeladene Stimmung in der Bevölkerung, bedient die äußersten Ränder des politischen Spektrums und hetzt die Menschen gegeneinander auf. Erfolgreich kanalisiert er die Ängste sowie die Wut der Wähler:innen und wird zum extremen Spielball der Parteien. Filys Mutter, die konservative Politikerin, die mit schweren Korruptionsvorwürfen kämpft, profitiert von dieser Dynamik am meisten. Ihre Umfragewerte schnellen in ungeahnte Höhen. Fily misstraut ihrer Mutter zutiefst und ist überzeugt, es sei sie und deren Partei, die den @fily_kleinspur Account füttern, um den Wahlkampf zu ihren Gunsten zu manipulieren.


Gemeinsam mit einem ehemaligen Schulkollegen versucht Fily herauszufinden, wer den Account in ihrem Namen betreibt. Warum benutzt jemand ausgerechnet ihre Identität? Was soll damit erreicht werden? Ihre Recherchen führen sie tief in die dunklen Abgründe der sozialen Medien.


Als es in ihrem Namen zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt, stellt sich Fily ihrer größten Angst und begibt sich in das Zentrum des medialen Orkans. Ihr Versuch, die Gewalt zu beenden, scheitert. Zwar gelangt Fily zur Erkenntnis, dass es unmöglich ist die Urheberschaft über ihr Narrativ wiederzuerlangen, allerdings kommt es zum ersten Mal seit Jahren zu einer unerwarteten Annäherung zwischen ihr und ihrer zerrütteten Familie.


Eine Produktion der Interspot Film, Drehbuchentwicklung gefördert vom Österreichischen Filminstitut.


Details

Drehbuch:
Verena Soltiz, Sophia Sixta
und Isabella Koch-Simon
Regie:
Verena Soltiz
Produzenten Interspot Film:
Nikolaus & Ingrid Klingohr
Executive Producer Interspot Film:
Stephan Hönigmann
Kamera:
Mario Minichmayr
Szenenbild:
Verena Wagner
Kostüm:
Monika Buttinger
Casting:
Marion Rossmann


Fertigstellung: Frühling 2026



Ihr Ansprechpartner
Stephan
Hönigmann Herstellungsleitung