Universum History - Unser Österreich - Tirol. Geteilte Heimat

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Mit der neunteiligen ORF-Zeitgeschichtereihe „Unser Österreich“ startete Universum History am Dienstag, dem 29. Dezember 2015 (21.05 Uhr, ORF 2) eine aufwendige Dokumentationsreihe im Hauptabend, die erstmals die facettenreiche Geschichte von Österreichs Bundesländern in den Mittelpunkt rückt.

Im ersten Teil „Tirol – Geteilte Heimat“ stehen die Grenzziehung am Brenner, der Verlust Südtirols und die Abtrennung Osttirols vom verbliebenen Landesteil im Fokus. Die „Schandgrenze“ sorgte für innenpolitischen und außenpolitischen „Zündstoff“ – in den 1960er Jahren sogar wortwörtlich. Die Auseinandersetzung mit der Einheit Tirols führte aber auch zu neuen Impulsen. Wirtschaftlich wurden die Grenzen – pionierhaft durch die Landeshauptleute Eduard Wallnöfer und Silvius Magnago – überwunden. Erzählt wird diese Geschichte anhand der Erlebnisse der Familie Molling, heute in Innsbruck lebend, mit Wurzeln in Südtirol: Der Urgroßvater Alois war als ehemaliger Offizier der k. u. k. Armee Mitglied der österreichisch-italienischen Grenzziehungskommission 1919 und engagierte sich bei der Heimwehr gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Die Großmutter Herlinde Molling – und ihr Mann Klaudius – unterstützte seit den späten 1950er Jahren den „Befreiungsausschuss Südtirol“ bei Sprengstoffanschlägen. Sogar als Schwangere schmuggelte sie Sprengstoff über die Grenze – eine Tatsache, mit der ihre Tochter Dominika, mittlerweile selbst Mutter, bis heute hadert und sich die Frage stellt, ob eine Landesteilung die Gefährdung des eigenen Lebens und das seines ungeborenen Kindes wert ist. Für die junge Generation der heute 20-jährigen Sven und Eric, die in einem Europa ohne Grenzbalken aufgewachsen sind, stellt sich die Frage, ob hinter dem Brenner ein anderer Staat beginnt, gar nicht.

Der zeitliche Bogen spannt sich von 1918 bis heute. In diesen 100 Jahren wird die Frage von Zugehörigkeit in kurzen Abständen mehrfach gestellt. 1918, 1938, 1945, 1955, 1995 – die dramatischen Wendejahre in der Geschichte Österreichs liefern die Eckpunkte.

Ob Abwehrkampf im Süden gegen Italien oder das SHS-Königreich, ob im Norden die Bestrebung, die langjährigen Zugehörigkeit zu Bayern fortzusetzen – die Transformation der Kronländer der Habsburger-Monarchie in die Republik Österreich löst eine Identitätskrise aus, die die Jahrzehnte bis zum sogenannten „Anschluss“ prägen – eine Gesellschaft zerrissen zwischen Rückbesinnung auf alte und Finden von neuen Identitäten. Mit der erneuten Katastrophe eines Weltkriegs werden 1945 die Fragen der Grenzziehung wieder gestellt – ob am Brenner oder an den Karawanken, ob an der Thaya oder an der Enns. Nicht nur die Grenzen von 1918 sind wieder ein Thema, sondern auch die Grenzen der Besatzungszonen, die mitten durch einige Bundesländer gehen. Sogar die Gefahr einer Teilung mitten durch Österreich besteht im Kalten Krieg. Erst der Staatsvertrag eint als Stiftungsereignis die Republik und ihre Bundesländer. Die Position der Länder bleibt durch das föderalistische Prinzip bis heute stark – ein Erbe der Geschichte. Es ist Gegengewicht zum Zentralismus des Bundes.

Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und dem Schengener Abkommen beginnt eine Ära, in der Grenzen keine Bedeutung zu haben scheinen – der Nationalstaat ist am Rückzug vor einem geeinten Europa. Einige der alten Kultur- und Wirtschaftsräume (Waldviertel und Südböhmen, Innviertel und Niederbayern, Nord- und Südtirol) werden dadurch wiedergeeint. Staatenübergreifende Kooperationen werden gefördert wie zwischen Kärnten und Friaul, Burgenland und Ungarn. Fast scheint es, als könnten die alten Kronländer Paten dafür sein. Doch das Europa der Regionen ist bisher nur eine Vision, vor allem wenn es um politische Partizipation in der EU geht. So stellt sich die Frage der Zugehörigkeit wieder und nach wie vor – ein Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Diese Produktion wurde gefördert von Cine Tirol, Land Tirol, BMBF und Zukunftsfonds.



                                            bmbcinetirolzukunftsfonds

details

Buch: Thomas Baum
Regie: Georg Laich, Ernst Gossner
Kamera: Philipp Kaiser, Ferdinand Steininger
Flugaufnahmen: Alexander Kaiser
Schnitt: Jörg Achatz
Musik: Kurt Adametz
HauptdarstellerIn: Julia Rosa Stöckl (als Herlinde Molling), Rene Rebeiz (als Kurt Welser)
Produktionsleitung: Martin Demmerer
Produzent: Heinrich Mayer-Moroni, Nikolaus Klingohr
Produktionsleitung ORF: Gabriele Wistawel, Roman Landauer
Redaktion ORF: Tom Matzek
Sendungsverantwortung ORF: Andrew Solomon

Erstausstrahlung: 29.12.2015

Quoten: 530.000 Zuschauer (19% Marktanteil)

Ihr Ansprechpartner

Martin Demmerer
Martin Demmerer
Telefon: +43180120-560